

Die Wahrheit wird gefühlt · Open Call · Teil 1
Berlin 2026 – Athen – Montenegro – Paris · Einsendeschluss 01.07.2026
Kuratorin / Veranstalterin: Nelja Stump – THE ART TO BE e.V.
Künstler:innen: Open Call
Eröffnung / Laufzeit Teil 1: 19.08.2026 – 23.08.2026
Ort Teil 1: THE ART TO BE e.V. Projektraum, Brunnenstraße 170, 10119 Berlin
Konzept – Die Wahrheit wird gefühlt
Die Wahrheit wird gefühlt ist eine dreiteilige Ausstellungs- und Diskursreihe, die das Verhältnis von Intuition und rationalem Denken als künstlerische, philosophische und gesellschaftliche Frage untersucht. Ausgehend von der griechischen Mythologie und den philosophischen Positionen von Baruch Spinoza, Novalis und Theodor W. Adorno lädt die Reihe internationale Künstlerinnen und Künstler ein, Antworten auf die Frage nach innerer Wahrheit zu entwickeln.
In Anlehnung an Joseph Beuys' Konzept der Sozialen Plastik versteht sich die Reihe als gesellschaftlicher Denkraum – ein Ort, an dem rationales Wissen und intuitives Erkennen miteinander in Dialog treten. Jeder Teil der Reihe verbindet Ausstellung, Diskurs-Talk, Performance und Abendprogramm zu einem lebendigen, interdisziplinären Format. Die Reihe ist nomadisch angelegt: Sie beginnt in Berlin und reist weiter nach Athen, Montenegro und Paris.
Teil 1 – Orpheus und Eurydike: Vertrauen und Angst
Die erste Ausstellung greift die mythische Geschichte von Orpheus und Eurydike auf – als Reflexion über Vertrauen, Zweifel und die menschliche Angst vor dem Unbekannten. Orpheus' Blick zurück steht symbolisch für den menschlichen Drang nach Kontrolle und das Misstrauen gegenüber dem Unsichtbaren. Künstlerische Arbeiten untersuchen die Beziehung zwischen Intuition und Rationalität, zwischen Vertrauen und Angst.
Programm
Eröffnung mit einer traditionellen chinesischen Teezeremonie von Maria Zastrow – als Praxis der Verbindung, die Raum schafft für Aufmerksamkeit und inneren Dialog. Es entsteht ein Raum zwischen Menschen, Kunst und Wahrnehmung.
„Tee dämpft den Übermut und beruhigt den Geist; er regt die Gedanken an und verhindert die Schläfrigkeit, erfrischt den Körper und macht die Sinne klar."
Ausstellung: 15 ausgewählte Künstler:innen – Open Call
Diskurs-Talks: Live Talks mit Heike Rose, Stephanie Dettmann und TBA
Abendprogramm: Musik von Maria Zastrow und TBA
Einsendeschluss Open Call: 1. Juli 2026
„Wahres Glück heißt, im Einklang mit der kosmischen Ordnung zu leben – so wie Orpheus es für einen Moment durch seine Musik tat."
Teil 2 – Spinozas Substanz & Novalis' Wiederverzauberung der Welt
Der zweite Teil verbindet Spinozas radikalen Anti-Dualismus mit der romantischen Vision von Novalis. Wahre Freiheit besteht darin, Mensch und Natur als Einheit zu sehen – und die Welt in ihrem ursprünglichen Glanz wahrzunehmen. Künstlerische Arbeiten erforschen die poetische Kraft dieser Verbindung: Wahrnehmung, Erfahrung und das Leben als innere Schönheit.
Künstler:innen: Open Call
Teil 3 – Adorno: Dialektik der Aufklärung
Die dritte Ausstellung nimmt Adornos kritische Analyse der Moderne als Ausgangspunkt. Im Zentrum steht die Frage, wie rationales Denken und kulturelle Normen die Verbindung zu Intuition, Gefühl und innerer Freiheit beeinflusst haben – und wie Kunst diese Trennung überwinden kann.
Künstler:innen: Open Call
Format pro Teil: 15 Open Call Künstler je Ausstellung & Diskurs Talk mit Nelja Stump und 3 Gastredner:in / Tee – Performance mit Maria Zastrow / Abendprogramm mit Musik
Open Call – Details zur Bewerbung
Nach erfolgreicher Bewerbung erhalten Sie weitere Details zur Ausstellung und den Teilnahmebedingungen.
Warum teilnehmen?
Kuratorin Statement – Die Wahrheit wird gefühlt
Was ist es, dass uns Menschen so schwer fällt zu erklären? Manche nennen es Bauchgefühl, andere hören auf ihr Herz und ihre Intuition. Diese unsichtbare Kraft beschäftigt die Menschheit seit Jahrtausenden. Seit Newton begannen wir, uns davon getrennt zu sehen. Unser Denken wurde materialistisch und dualistisch und das Vertrauen in das Unsichtbare ging verloren. Heute glauben wir, was wir sehen, hören oder lesen. Nicht mehr, was wir fühlen.
Warum jetzt? In einer Zeit des digitalen Überflusses und gesellschaftlicher Umwälzungen ist die Verbindung zur Intuition besonders wichtig. Wir greifen Joseph Beuys' Konzept der Sozialen Plastik auf. Kunst als gesellschaftlichen Denkraum und kollektive Form des Handelns und das Schaffen eines Gleichgewichts zwischen rationalem und intuitivem Denken. Die Zusammenarbeit mit internationalen Künstlern und Visionären wird ein interdisziplinärer Dialog gefördert. Das Projekt hebt die Grenzen zwischen verschiedenen Kunstformen auf, um neue Realitäten durch künstlerische Visionen zu erschließen. Die Ausstellung stellt Fragen nach der Rolle der Gefühle und dem Streben nach einer tieferen Wahrheit jenseits der physischen Realität. Ziel ist es, die Menschen zu inspirieren und zu zeigen, dass durch das Zusammenspiel von Fühlen und Ratio große Projekte entstehen können – denn Gefühle haben die Kraft, Welten zu erschaffen.
Philosophie
In Anlehnung an die philosophischen Ideen von Sokrates/Platon bis Spinoza und von Novalis bis zu T.W. Adorno hinterfragt die Ausstellung, wie sich unsere Beziehung zu unseren Gefühlen entwickelt hat. Adorno kritisierte in seiner Dialektik der Aufklärung (1947) die Massenkultur als Ursache für Passivität und Konformismus, was letztlich dazu führe, dass Menschen ihren Gefühlen misstrauen und sich durch äußere Einflüsse manipulieren lassen.
Spinoza vertrat die Auffassung, dass der Mensch untrennbar mit der Natur und dem Universum verbunden ist und dass Gefühle eine Form des Denkens sind, die sowohl politisch als auch ethisch wertvoll sind. Diese Ausstellung greift Spinozas radikalen Anti-Dualismus auf und verbindet seine Philosophie mit modernen künstlerischen Interpretationen. Sie spielt mit den Grenzen zwischen physischer und intuitiver Realität sowie zwischen realem und virtuellem Raum, um die Wechselwirkung zwischen sichtbarer und unsichtbarer Welt zu verdeutlichen. Diese Philosophen verbindet eine tiefgehende Auseinandersetzung mit der Beziehung zwischen menschlicher Existenz und innerer Wahrheit, auch wenn ihre Perspektiven unterschiedlich sind. Ihre Ideen lassen sich miteinander verknüpfen und bieten uns so einen umfassenderen Zugang zum Verständnis des Menschseins – ein Zugang, der die mythische Geschichte von Orpheus und Eurydike in eine neue Dimension hebt.
Spinoza lehrt uns, dass die Welt und der Mensch Teil eines einzigen göttlichen Wesens sind, das er „Substanz" nennt. Für ihn liegt das wahre Glück der Menschheit in der Erkenntnis dieser Einheit – einer Einsicht, die aus der Reflexion über die Natur und unser eigenes Wesen erwächst. In seiner Ethik betont er, dass wahre Freiheit darin besteht, im Einklang mit dieser Einheit zu leben, anstatt gegen sie anzukämpfen. Ähnlich wie Spinoza beschäftigt sich auch Novalis mit der Verbindung zwischen Innen und Außen. Für ihn bedeutet das Romantisieren der Welt, sie in ihrem ursprünglichen Glanz wahrzunehmen. Er fordert die Menschen dazu auf, ihre innere Schönheit und Sinnhaftigkeit neu zu entdecken, um eine harmonische, friedvolle Welt zu erschaffen. Die poetische Kraft, verkörpert in Orpheus, kann uns helfen, diese „Wiederverzauberung" der Welt zu vollziehen.
Adorno, ein Denker der Moderne, zeigt uns in seinem Werk Dialektik der Aufklärung, wie die Vernunft im modernen Zeitalter oft zur Unterdrückung des Natürlichen und Intuitiven führt. Für Adorno liegt die Tragödie darin, dass der Versuch, die Natur vollständig zu kontrollieren, uns von ihr entfremdet. In der Geschichte von Orpheus und Eurydike sehen wir ein Echo dieser Tragödie: Orpheus, der durch seine wunderschöne Musik die Natur verzaubert, verliert durch seinen Blick zurück Eurydike. Dies steht symbolisch für den menschlichen Drang nach Kontrolle und Misstrauen.
Novalis erinnert uns, dass in der Kunst und der Poesie eine Kraft existiert, die diesen Verlust überwinden kann. Orpheus' Musik war stark genug, um die Natur selbst zu bewegen, doch seine Ungeduld und Angst führten zu Eurydikes endgültigem Verschwinden. Die Geschichte von Orpheus und Eurydike erinnert uns daran, Vertrauen zu fassen. Sie bringt uns näher an Adornos Kritik der Moderne und lädt uns zugleich ein, Spinozas Weisheit und Novalis' romantische Vision in unser Leben zu integrieren – in eine Welt, in der Vernunft und Gefühl miteinander versöhnt sind und Kunst als Brücke zur inneren Wahrheit dient. Ratio und Gefühl, das Männliche und das Weibliche zu vereinen, um eine neue, friedliche und harmonische Welt zu erschaffen. Novalis glaubte fest, dass die innere Schönheit des Menschen erweckt werden müsse, um wahre Selbstverwirklichung zu erreichen.
